Norwegen - mit Kindern ins Fjell

 

Femundsmarka, Dovre Fjell, Rondane ...

Ein- bis mehrtägige Wanderungen, Baden in glasklaren Seen, Trinken aus sauberen Bächen und familientaugliches Gelände in aussichtsreicher Landschaft, das alles läßt sich in den drei benachbarten norwegischen Nationalparks mühelos unter einen Hut bringen.

 

 

Femundsee

Endlich sind die Zelte aufgebaut, die müffelnden Wanderstiefel gegen luftige Trekkingsandalen getauscht, jetzt kommt der gemütliche Teil des Tages. Unsere beiden Jungs schauen mit erwartungsvoll hungrigen Blicken zu, wie ich den nagelneuen Gasbrenner an den zerbeulten Trangia-Sturmkocher anschließe – das wird doch hoffentlich funktionieren. Susanne wühlt derweil im Rucksack nach den Tüten mit dem Linseneintopf  während Jan schon mit vier Müslibeuteln für den Nachtisch bereit steht. "In fünf Minuten ist der Eintopf fertig", verkünde ich. Die Kinder verstehen das als Aufforderung, mal schnell noch das nahe Flussufer der Røa zu inspizieren, die sich als blau-schwarzes Band durch den lichten Birkenwald des Femundnationalparks schlängelt. Ich strecke mich faul auf der Liegematte aus, schließe die Augen und lasse die Gedanken schweifen.

 

Gestern abend waren wir noch auf dem Campingplatz in Drevsjø mit dem Packen der Rucksäcke beschäftigt, als plötzlich mit laut klackernden Hufgeräuschen eine rund 40-köpfige Rentierherde aus dem lichten Kiefernwäldchen hervorbrach und sich um uns herum über das saftige Wiesengras hermachte. Das war Aufregung pur, denn so eine grandiose Nordlandshow hatten wir hier nun wirklich nicht erwartet, auch wenn die Femundsmarka als südlichstes Rentierzuchtgebiet gilt. Die Tiere zeigten keinerlei Scheu und ließen uns bis auf zehn Meter heran. Der Bast an den stattlichen Geweihen schimmerte im Gegenlicht der tief stehenden Sonne und mein Fotoapparat klickte unaufhörlich. Susanne saß mit Marvin auf der Holzveranda unserer Hütte, die wir nach der langen Anreise für zwei Tage gemietet hatten. Für Marvin, mit seinen sieben Lenzen, hatte dieser Anblick fast etwas märchenhaftes und er wurde nicht müde, den Tieren mit dem Fernglas direkt in die Augen zu schauen. Jan war unterdessen dabei, die Herde im Joggingschritt ein ums andere Mal zu umrunden. Nach einer halben Stunde verschwanden die Tiere wieder im Wald – bei den Kindern war die Motivation für die bevorstehende Wandertour spürbar gestiegen.

Am nächsten Morgen fuhren wir über eine Schotterstraße nach Elgå, dem Startpunkt vieler Wildnistouren in den Femund Nationalpark auf der Ostseite des Femundsees. Während der Fahrt sahen wir Rentiere im Wald, Rentiere neben der Straße und vor allem Rentiere auf der Straße, die damit beschäftigt waren den Staub von der Straße zu lecken. Als gestandener Schwabe kam mir sofort der Begriff "Kehrwoche" in den Sinn, doch bei näherer Betrachtung dürfte es eher der mineralhaltige Sand sein, der die Tiere anzieht. 

 

Mit dem Dampfer in die Wildnis

In Elgå warteten wir dann auf die Fæmund II, ein betagter Dampfer, der seit 1905 abgelegene Siedlungen am 60 Kilometer langen See mit Gütern und heutzutage vor allem mit Besuchern versorgt. Bald war das Deck mit einem Sammelsurium an Rucksackmarken, diverser Angelausrüstung und sogar einem Kanu bedeckt – die Fahrt konnte los gehen. Am Anleger Røa stiegen wir schließlich nach zweieinhalb Stunden Fahrtzeit aus und marschierten los. Den bequemen Weg zur Rövollen-Hütte ließen wir nach der Brücke über die Røa links liegen, stattdessen wanderten wir am Fluss entlang und wurden mit einer herrlichen Wildnis belohnt. Wasserfallartige Stromschnellen, ruhige glasklare Pools, in denen wir die Füße baumeln ließen und aus der hohlen Hand tranken. Die Kinder hatten sichtbar Spaß an der Sache und häufige Blaubeersammelaktionen sorgten dafür, dass keine Langeweile aufkam. Einige kleine Verhauer in der Wegwahl – die Pfadspuren verloren sich zeitweise im Gelände – verlängerten die Strecke, und so waren wir froh, als wir endlich die Rövollenhütte fanden und sich die etwas grobe 1:300.000 Karte wieder mit der Landschaft in Übereinstimmung bringen ließ. Schnell standen die Zelte auf einem luftigen, relativ mückenfreien Hügel und der erste Trekkingtag mit Kindern nähert sich nun dem kulinarischen Finale.

Mittlerweile dampft es im Topf und Marvin, der eigentlich bei jedem Essen die Nase rümpft, hat heute mal keine Probleme den Teller auszuessen. Die zuhause abgepackten 100g-Rationen Müsli mit Trockenmilch findet er jedoch noch ungleich besser, denn die kann er auch selbst "kochen": heißes Wasser dazu und fertig.

 

Der nächste Tag beginnt warm und sonnig mit Wasser holen in der Røa, Kaffee kochen, Tee ziehen lassen und – natürlich – der obligatorischen Müsliportion, dann wird abgebaut und los geht es. Diesmal nutzen wir den markierten Trampelpfad, der ungleich leichter zu Gehen ist, als die Strecke gestern am Fluss entlang. Alle 20 Meter sind rote "T"-Markierungen angebracht. Ein wenig übertrieben, denke ich mir. Die Karte verschwindet im Rucksack und bald darauf verschwinden allerdings auch die Wegmarkierungen – da ist den Norwegern wohl die Farbe ausgegangen. Ein Bach ist zu überqueren und weil Marvins Schuhe zu niedrig sind, trage ich ihn hinüber. Das heißt "fast" hinüber, denn mit dem Rucksack am Rücken, Marvin auf dem Arm und glatten Steinen im Wasser ist das so eine Sache mit dem Gleichgewicht, also sitzen wir beide schließlich in der Mitte des Baches und hören uns das Gelächter der anderen an. Gut, dass gleich ein schöner Trockenplatz am Ufer eines großen Sees auftaucht. Während die Kleider trocknen, habe ich genügend Muße, über die Frage zu sinnieren, wieso der See überhaupt da ist. Laut Karte sollten wir bereits vor dem See Nedre Røasten an eine Brücke kommen, die den Weg Richtung Store Svuku weist, einem markanten Aussichtsberg. Und so erweist sich das unfreiwillige Bad als Glücksfall, denn nach kurzer Rundumsicht erkenne ich die Brücke – wenn auch in der „falschen“ Richtung. Die Tatsache, dass die roten "T" so schnell eingespart wurden, ergibt jetzt einen Sinn: wir haben wohl eine Abzweigung verpasst. Bald finden wir die fragliche Stelle, ein breites Blockfeld, über das keine Wegspuren führen. Hier finden sich auch wieder die T´s – gut versteckt, und nicht alle 20 Meter.

 

Endlich auf dem richtigen Weg, kommt schon der nächste Pfadfindertest. Diesmal verlasse ich mich auf die Karte. Der Weg müsste direkt über einen Hügel führen. Da ist aber kein Weg, stattdessen die Wahl zwischen links und rechts am Hügel entlang. Wir gehen links. Eine wunderschöne Strecke, direkt am See entlang, führt uns in einer halben Stunde in weitem Bogen ... – ja sackzement, wir stehen wieder am Ausgangspunkt am Hügel und haben gerade eine kleine Halbinsel ausgelaufen. Nach dieser Fleißaufgabe geht der Rest des Tages dann nahezu problemlos über die Bühne. 

 

 

 

 

 

 

Die fotogene Seenplatte der Røveltjørnane lässt sich auf dem ausgetretenen Pfad gut durchqueren und fortan haben wir den Blick frei auf das karge, immens weitläufige Fjell. Susanne nutzt einen der letzten Tümpel für eine Badeeinlage, allerdings lässt die Wassertiefe zu wünschen übrig. Immerhin bewegt sich die Wassertemperatur im grünen Bereich. Über baum- und strauchloses Fjell geht es dann bergauf. Irgendwann hat Marvin genug vom Wandern und mir geht es ebenso. Ich pfeife Jan zurück, der im Halbkilometerabstand vorausrennt, denn er will unbedingt noch auf den Store Svuku, der in der klaren Luft ganz nahe scheint.

Die Wasserstellen sind hier oben dürftig gesät und so bleiben wir an einem kleinen Teich. Ich packe zwei Tüten Expeditionsnahrung aus. "Indonesisch" steht da drauf. Susanne winkt ab, sie fühlt sich plötzlich ziemlich elend und beschränkt sich auf Tee. Ihr Glück, denn das indonesische Menü trifft nicht ganz unseren Geschmack. Marvin überlässt mir großzügig seine Portion und greift sich Mamas übrige Müsliration. Jan gibt nach einem halben Teller auch auf, so dass ich mich sprichwörtlich alleine durchbeißen muss. Dafür gibt es anschließend Mousse au Chocolat, das bringt das kulinarische Niveau wieder ins Lot.

 

Am nächsten Morgen zeigt sich die Landschaft eingebettet in eine dichte, aber von Sonnenstrahlen durchflutete Nebelsuppe. Eine fantastische Stimmung. Susanne ist wieder fit und blickt verschlafen in das graue Nichts. Ihrem Blick folgend, erkenne ich drei Rentiere, die sich aus dem leuchtenden Dunst herausschälen – ein Bild wie gemalt. Kurze Zeit später verschwindet die Renfamilie wieder im Nebel und bis Jan, unser Langschläfer, dem Lockruf des Müsli folgt, scheint die Sonne allerorten und das Fjell zeigt sich wieder in seiner unendlichen Weite. Nach kurzem Aufstieg überqueren wir die sanfte Passhöhe der Falkfangarhøgda und suchen einen auf der Karte eingezeichneten versteckt liegenden Teich. Sonnenbaden mit Kneippkur ist jetzt angesagt und der Rucksack wird um Wurst, Brot und Schokolade erleichtert. Der ganze Südteil des Femundsees liegt uns zu Füßen und der Ausblick auf die Fjellregionen am gegenüberliegenden Ufer ist einfach herrlich. Weniger herrlich gibt sich dann allerdings der steinige Weiterweg zur Fjellstation Svukuriset, denn der zieht sich in die Länge und die ständigen Balanceakte über Geröllabschnitte ermüden uns. Belohnt werden wir schließlich mit Pepsi, norwegischen Waffeln mit Quark und Marmelade und fabelhaft schmeckenden Sandwiches. Wir sind nun fast am Ende unserer ersten Fjelltour. Den Gipfel des Store Svuku können wir heute nicht mehr ersteigen und die Essensrationen gehen zur Neige. 

So entscheiden wir uns, die Schotterstraße bis zum Femundsee abzusteigen und am Bootsanleger zu übernachten. Das erweist sich als äußerst glückliche Idee: kein Mensch weit und breit, der bequeme Holzsteg gehört uns. Während der Trangia mit dem glucksenden Wasser um die Wette säuselt, genehmige ich mir einen Sprung vom Poller in den kühlen See, was nicht nur meine müden Fußsohlen wieder belebt. In einer Wetterschutzhütte finden wir ein Gästebuch zum durchstöbern und so vergeht die Zeit mit Müßiggang und Wohlgefühl. Jan lässt sich zum freien Übernachten auf den Planken des Steges überreden, während Susanne mit Marvin das Zelt am Ufer aufbaut. Schade für die beiden, denn der Sonnenuntergang aus Schlafsackperspektive hat eindeutig was für sich und vom weit entfernten Hüttendorf am Gegenufer tönt sanft Elvis Presley herüber – diesen Abend werden wir so schnell nicht vergessen.

Pünktlich um 11.15 Uhr holt uns die Fæmund II ab, und eine Stunde später ist das Abenteuer vorbei. Wir gönnen uns 3 Tage Gemütlichkeit in einer Hütte auf Jonsgards Campingplatz am westlich des Femundsees gelegenen Langsjön. Die Mietkanus dürfen wir umsonst benutzen, zwei der für skandinavische Campingplätze üblichen Trampoline dienen als Treffpunkt für die Kinder und die nahen Stromschnellen des Isterenfossen sollen ein wahres Angeldorado sein, an dem wir natürlich auch unser Glück versuchen. Glück gehört bekanntlich nur dem Tüchtigen und die Fische haben uns eindeutig der Kategorie der Faulen zugeteilt. Schließlich steht uns wieder der Sinn nach Freiheit und Abenteuer - das Dovre Fjell wartet.

 

Dovrefjell

Die kleine Fjellstation Kongsvoll an der E6 zwischen Dombas und Oppdal ist Ausgangspunkt für unseren geplanten Aufenthalt im Dovrefjell. Nur eine Dreiviertelstunde dauert der Anstieg durch den Hangwald, bis die Weite der gelbgrünbraunen Moos- und Flechtenszenerie vor uns liegt. Pause. Eine der Besonderheiten dieses Nationalparks sind die Moschusochsen, deren Population hier seit ihrer Ansiedlung 1931 von 10 auf durchschnittlich 80 Tiere gewachsen ist. Ihre bis zu sechzig Zentimeter langen Haare sorgen dafür, dass sie im trockenen aber kalten, sturmgepeitschten Dovrewinter überleben können. Ein erster Blick, und schon sehen wir einen verdächtigen Felsen in einiger Entfernung, der sich im Fernglas als Moschusochse entpuppt. Die meisten Dovrebesucher gehen das Tal der Stropla entlang zur Reinheimhütte, die auch als Ausgangspunkt für eine Besteigung des Snøhetta dient. Dieser Berg mit seinem kegelförmigen Schneehütchen ist mit 2286 Metern der höchste norwegische Gipfel außerhalb Jotunheimens. Wir wollen allerdings als Kontrastprogramm zur Femundtour im ersten nördlich liegenden Seitental unser Basislager aufschlagen und von dort aus ohne Rucksack kleinere Wanderungen unternehmen. Erholung pur also, und so sind wir nach einer weiteren dreiviertel Stunde bereits am Ziel, bauen erst die Zelte auf und anschließend einen Staudamm im Bach, in dessen Kuhle wir genügend Platz für ein kurzes Badevergnügen finden. Mit dem Fernglas orten wir eine Herde von zwölf Moschusochsen und eine größere Anzahl freilaufender Pferde.

 

 

Der erste Morgen zeigt sich wieder in strahlendem Blau und wir steigen unserem Bachlauf folgend Richtung Kaldvelldalen, einem östlich liegenden Paralleltal, an. Was wir von unten nicht sehen, sind die einmalig schönen Wasserkaskaden, die in der tief eingeschnittenen Bachrinne verborgen sind. Die Kinder sind völlig aus dem Häuschen. Goretexstiefel gegen Trekkingsandalen tauschen und die Kaskaden rauf und runter erkunden, eine Dusche im Wasserfällchen nehmen, in der Sonne trockenbrutzeln und schon ist die erste „Wanderstunde“ um. Schließlich raffen wir uns doch noch auf und setzen den Weg fort. Weiter oben verschwindet der Bach unter einem kopfsteinpflasterartigen Bachbett, es folgt ein sumpfig-moosiges Gebiet, teils mit Wollgras besetzt. Marvin findet einen Knochen, dann noch einen und letztendlich eine ganzes Puzzle von Ren- oder Moschusochseneinzelteilen, die alle in einer Tüte verstaut werden. Sein Berufswunsch steht nun fest: er wird der beste Archäologe der Welt und ich sein Gehilfe, der die wertvollen Fundstücke trägt. 

Auf einer steinübersäten Kuppe machen wir Rast mit Blick auf einen kobaltblauen See im Kaldvelldalen und auf die südwestlich gelegene Snøhetta. 

 

Am Hang über der Stropla wandern wir wieder zurück zum Basislager, während dunkle Wolken vom Rondane-Gebirge heranrollen. Kaum an den Zelten angekommen, prasseln plötzlich schwere Tropfen aus den schwarzen Wolkenbergen, doch zwei Minuten später scheint wieder die Sonne. Schnell den Kocher aufstellen und die Liegematten zum Faulenzen rausgeräumt, da kommt der zweite Schwall angeprasselt. Drei Minuten später lockt wieder die Sonne, aber es bleibt tatsächlich trocken. Dafür zeigt sich ein wunderschöner Regenbogen – es sollte mangels Regen auch der einzige dieses Urlaubs bleiben. Nicht von ungefähr gilt diese Ecke als sonnenreichste Region Norwegens.

 

Der nächste Tag gehört den Wasserkaskaden, an denen uns ein Schwarm graugescheckter Schneehühner empfängt. Sie hüpfen von Stein zu Stein, immer in einem Sicherheitsabstand von rund sieben Metern den Bach hoch. Zum Fliegen haben sie offensichtlich keine Lust. Mittags besuchen wir die Moschusochsen oben am Hang, die sich zeitweise mit der Pferdeherde vermischen. Abstand halten ist hierbei die oberste Maxime, denn es ist schon zu Todesfällen gekommen. Hundert Meter sind das Minimum. Die werden jedoch einmal unterschritten, als die Kinder allein zum Zelt zurückwandern wollen, um sich ein Müsli einzuverleiben. Als mir Jan plötzlich aufgeregt zuwinkt, spurte ich los. Der Blick über eine Kuppe zeigt einen prächtigen Bullen mit wehendem Haar, der gelangweilt in meine Richtung blickt. Vorsichtig ziehe ich mich in ein Geröllfeld zurück, in dem auch ein wütender Ochse keinen Anlauf holen könnte, aber das Tier wendet sich nur gemütlich ab und trabt von dannen – wieder ein paar Touristen erschreckt.

 

 

Rondane

Langsam gehen die Urlaubstage dem Ende zu. Wir legen noch eine Hüttenübernachtung ein, denn Marvin feiert seinen siebenten Geburtstag, dann fahren wir über eine Mautstraße (30 NOK) ins Rondanegebirge zur kleinen Siedlung Døralseter. Die Zeit der Rucksackwanderungen ist nun vorbei, statt dessen ist Anschauungsunterricht in eiszeitlicher Geologie angesagt. Wir wandern auf bequemem Pfad den Lauf des Gebirgsflusses Atna entlang und gelangen zu einem gut fünzig Meter hohen Moränenrücken. Nach steilem Anstieg auf den überdimensionalen Geröllhaufen schweift der Blick zurück über den Oberlauf der Atna, die sich als türkisgrünes Band durch den lichten Kiefern- und Birkenbestand windet.

 

Oben ist der eiszeitliche Schuttabladeplatz mit riesigen sogenannten Toteislöchern übersät. Hausgroße Eisbrocken waren hier in der Vergangenheit von Geröll überdeckt worden. Als diese später schmolzen, sackte die Schuttdecke in sich zusammen und übrig blieben diese imposanten Monsterkuhlen, auf deren gratartigen Rändern wir nun umherspazieren. Hinter den Toteislöchern entdecken wir ein liebliches Campingidyll. Ein lichter Birkenbestand, von einem Bach durchflossen und im Hintergrund grüßt der Høgronden, der wie die Snøhetta auf meiner Gipfelwunschliste steht. Nächstes Jahr vielleicht, denn morgen beginnt die Heimfahrt.

 

Info

Charakter der 3-4-tägigen Wanderung mit Zelt am Femundsee:
Kindgerechte Etappen. Bei Bedarf kann die Tour gekürzt werden (Bootssteg in Haugen am Femundseeufer).

Startpunkt ist Elgå (Fahrplan im Internet unter www.femund.no). Mit der Femund II zum Anleger Rövollen, kurze Etappe bis zur Rövollen-Hütte (Selbstversorgerhütte mit DNT-Schloss). Von dort in 2 Tagen südlich, Richtung Svukuriset-Fjellstation (Lebensmittelkauf möglich) und zum Anleger Revlingen. Rückfahrt mit der Femund II.

Verlängerung der Wanderung: übers Fjell führt eine Pfad nach Elgå.

Als Hüttentour (einmalige Übernachtung in Svukuriset) möglich, jedoch für Kinder wegen der langen Etappe nicht empfehlenswert.

 

Tipps zum Wandern mit Kindern:

Die Kinder mit Gewicht und Tagesleistung nicht überfordern, und immer davon ausgehen, dass das Zelt auch schon vor dem Erreichen des geplanten Tageszieles aufgebaut wird.

Da die Eltern unterwegs eventuell die Rucksäcke der Kinder erleichtern müssen, sollten im eigenen Rucksack noch stille Reserven vorhanden sein.

Ebenso sollte der Tourplan Reserven (Zeit/Lebensmittel) und Alternativen (Abkürzung der Tour) bieten.

Keine Möglichkeit für interessante Pausen auslassen - die Kinder ruhig rennen und spielen lassen. Eventuell kleine Teleskopangel mitnehmen – die Jüngsten geben sich auch mit einem Stock und Zeltschnur zufrieden. Für das Angeln für Kinder unter 16 Jahren ist kein Angelschein erfordelich.

Die Kinder bereits in der Vorbereitung mit einbeziehen (Müsliportionen mischen, wiegen, verpacken, Ausrüstung checken, Rucksäcke probepacken).

 

Anreise: 

Die beschriebenen Gebiete liegen etwa 250 km nördlich von Oslo (E6).

Am schnellsten (und teuersten) mit der Fähre Kiel – Oslo, alternativ Hirtshals – Oslo (www.colorline.de).

Schwedische Alternative: über die Vogelfluglinie, Göteborg, Vännernsee, und im Tal des Klarälven zur norwegischen Grenze.

 

Reisezeit

Mit Schulpflichtigen Kindern kommen nur die Sommerferien in Betracht. Ende August fanden wir die Fjell-Landschaft weitgehend mückenfrei vor.

 

Ausrüstung:

Faustregel für das Rucksackgewicht der Kinder: maximal das Alter in Kg.
Unsere Rucksackstartgewichte:
3 bis max. 3,5kg für den 7-jährigen Marvin, ca. 11kg hatte der 12-jährige Jan, ca. 15kg meine Frau und ca. 21kg für den Autor.

 

Kleine Medizinbox zusammenstellen: Pflaster, Verband gegen Verstauchungen, Salbe gegen Mückenstiche (z.B. Soventol), Compeed-Pflaster bei Blasenbildung hat sich bewährt. Eventuell den Hausarzt nach einer sinnvollen Zusammenstellung fragen.

 

Der Schlafsack sollte mindestens bis zur Frostgrenze reichen, da auch in Norwegens sonnigster Region das Wetter schnell umschlagen kann. Gute Wanderschuhe, auch für die Kleinsten, sind in dem steinigen Gelände ein Muss. Leichte, aber dichte Regenkleidung. Trekkingsandalen für den Abend und zum Baden. Teleskopwanderstöcke erleichtern das Balancieren auf Geröllabschnitten. Ein Mückennetz wirkt beruhigt, auch wenn es nie benutzt wird.

 

Verpflegung/Wasser

Wasserstellen in der höheren Fjellregion um den Store Svuku sind etwas spärlich – kleine Teiche sind in der Karte eingezeichnet. Für stehendes Gewässer Wasserentkeimungstabletten verwenden.

Leichte Trockennahrung (Expeditionsnahrung und/oder billigere, dennoch schmackhafte Produkte von Maggi, Knorr ...), Müsli mit Vollmilchpulver (Schultheis/Reiter) portionsweise abgepackt. Bewährt haben sich u.a. auch fertige Babynahrung (Grießbrei ...), Müsliriegel, geräucherte Debreziner (vom Metzger zuhause einschweißen lassen), Multivitamin/Brausetabletten.

Generell gilt: Trockennahrung während einem Campingwochenende zuhause einmal testen – Qualität und Geschmack können teilweise recht unterschiedlich sein.

Übernachten

Auf den Wanderungen natürlich im Zelt. 
Auf den meisten Campingplätzen können Holzhütten (Hytter) gemietet werden (ca. 50 € pro Tag).

 

Infos/Adressen

Karten vor Ort gibt es in Elgå oder im Femund-Canoe-Camp (www.femund-canoe-camp.com), wo auch Kanus gemietet werden können.

 

Karten/ Literatur

Norwegen – Turkart:

Nr. 67, Femunden 1:100.000 (neu 2002)

Nr. 64/65, Rondane 1:50.000

Nr. 73 Dovrefjell 1:100.000

 

Große Länderkarte 1:300.000, Norwegen, Blatt 3, RV-Verlag. Hervorragend als Übersichtskarte über die beschriebenen Gebiete.

 

 

copyright: Dieter Ziegler 2002