Norwegen - Süd 2005

 

 

 

Björndalen - Setesdal - Kjerag (Lysefjord)

August 2005 - Hüttenurlaub in Björndalen in der Nähe von Evje (Setesdal)

Ein Kurzbericht. Aktivitäten: Paddeln, Mineralien suchen, Klettern, Rucksackwandern.

Björndalsvatnet Kanu im FrühnebelKjeragbolten

 

Anfahrt und Hütte

Ein familienfreundlicher Urlaub liegt vor uns. Wir haben über Internet für drei Wochen eine Hütte am See Brjörndalsvatnet, keine 100 Km von Kristiansand entfernt gebucht. Damit hält sich die Anfahrt für einen Norwegenurlaub in minimalen Grenzen, auch wenn wir bis Hirtshals 12 Stunden unterwegs sind. 4 Stunden Fährüberfahrt erweisen sich auch für unseren fährscheuen Marvin als noch erträglich und die einstündige Fahrt durch das Setesdal ist schon richtiger Urlaub. Die Hütte erweis sich als einfach aber groß und wir fühlen uns gleich wohl. Das Björndalen Hüttecenter besteht aus einem Restaurant mit 6 Hütten, die um diese Zeit nur noch sporadisch belegt sind. 100 Meter sind es (über die Straße) zum See, der am Anfang noch badefreundliche Temperatur aufweist. Ein Trampolin und ein Volleyballplatz gehören zum Gelände. Kanus können gemietet werden, der Strand ist zum Baden geeignet und eine kleine Badeinsel gibt es auch.

 

Im Folgenden eine kurze Beschreibung, was man (wir) in diesem Gebiet unternehmen kann.

 

Paddeln auf dem Björndalsvatnet

Am gegenüberliegenden Ende führt ein schwach strömender Ausfluss in den nächsten See. Diese Seeverbindung ist kanalartig, sieht schön aus und wir angeln hier ganz gerne, wenn auch nur kleine Forellen an die Angel gehen, die wir wieder aussetzen. Am Übergang in den zweiten See gibt es flache Granitplatten die auch zum Sonnenbaden und relaxen geeignet sind.

 

Am Westufer des Sees führt ein KiesSandweg entlang und an einem Regentag schlagen wir uns dort ins Gebüsch, durchqueren Wald, Busch und Sumpf, angeln erfolglos, dafür gibt es eine Menge Heidelbeeren.

 

Am einem Zufluss in den Björndalsvatnet ca. 100m östlich des Hüttecenter fange ich in einem 30 Meter Pool eine schöne Forelle, die dann - als einzige während des Urlaubs - ihre pfannentaugliche Größe mit dem Leben bezahlt. Traurig für die Forelle, aber sie schmeckt wirklich gut.

 

Pilze an einem Forstweg hinter dem Hüttecenter werden zu Susannes Hobby. Fast täglich joggt sie dort lang und fotografiert die verschiedenen Pilze, die jeden Tag anders aussehen, so schnell schießen die aus dem Boden.

 

Evje

Evje Mineralien GlücksfundDas Städtchen Evje liegt 18 Km entfernt und wir fahren oft zum Einkaufen dorthin. Es ist bekannt für seine Mineraliengruben. Im Touristcenter kann man im Internet nach der Wettervorhersage schauen, außerdem gibt es dort eine schöne Mineraliensammlung (auch Stücke zu kaufen). Infomaterial zu den umliegenden Mineraliengruben, in denen man - meist gegen Entgelt - nach Schätzen suchen kann. Das machen wir auch, finden grüne Amazonitsplitter eine hübsche Quarzdurchdringung, einen Beryll und eine Menge "Alles mögliche" das irgendwie " anders oder sonstwie hübsch aussieht - Grund genug alle Steine einzupacken und an der Hütte dann genauer zu inspizieren. Große Funde sollte man jedoch bei der ganzen Aktion nicht erwarten - der Spaß am Suchen und Klopfen steht eindeutig im Vordergrund. Es ist wirtschaftlich gesehen wesentlich günstiger schöne Steine an der Grube zu kaufen (oder in der Touristinfo...).

Rechts ein Bergkristall, den ich im Wald neben der Grube fand - ein ausgesprochener Glücksfund - lag einfach so im Sand an einer Baumwurzel.

Evje bietet auch einen Abenteuerveranstalter (www.troll-mountain.no), der unter vielen anderen Aktivitäten auch Raftingerlebnisse auf der Otra anbietet. Nicht billig der Spaß und die Stromschnellen oberhalb von Evje haben es in sich - die sehen nicht allzu langweilig aus - Susanne, die eigentlich ganz gern mal geraftet wäre, vergisst ihr Vorhaben beim Anblick von Preis und Stromschnellen recht schnell. Wir schauen lieber ein paar Aspiranten zu die im Schlauchkanadier unter Anleitung des Guides erste Übungen abhalten. Ein und Aussteigen im Wasser wird geübt, einmal fahren die 3 Paddler fast rückwärts in eine kleinere Stromschnelle ein anstatt im ruhigen Wasser Manöver zu üben - das haben die Jungs eindeutig noch nicht im Griff - der Guide schaut derweil vom Kajak aus zu und gibt Anweisungen. Das Wetter ist auch etwas trübe: Nein irgendwie reizt uns das gerade nicht mehr.

 

Klettern im Setesdal / Wandertour zum Kjerag am Lyseford

Klettern im SetesdalDie Wanderung zum berühmten Kjeragbolten am Lysefjord soll das Highlight unseres Urlaubs werden. Wir wollen mit den Zelten hochwandern und eine Nacht dort oben verbringen. Da wir bei der Anfahrt auch am Klettergebiet des Loefjell vorbeikommen nutzen wir das gute Wetter zu einer kleinen Kletterunterbrechung - die sich dann aber doch etwas in die Länge zieht.

Im Setesdal wurden in den letzten Jahren viele Kletterrouten eingerichtet. Ganz neu sind am Loefjell (bei gut gesicherte Routen für Kinder und Anfänger. Die Granitplatten des Loefjell finden, wenn man bei Nomeland die Straße Richtung Sirdal nimmt. Bei der Feriensiedlung Brokke (da wird wild gebaut) geht es in 15 Minuten durch den Wald hoch, dann steht man an den Platten
(siehe Setesdalen Rockclimbing).

Setesdal Klettergebiet im Hintergrund Ansonsten bietet das Setesdal eher Routen mit weiten Hakenabständen. Der Umgang mit Keilen und Friends und die Psyche sollten das OK sein. Aber am Loefjell macht es auch uns Gelegheitskletterern Spaß. Herrliche Platten, französische Hakenabstände (aber nicht an den größeren Routen - die sind moralisch wohl anspruchsvoller). Hier kann unser 10jähriger seine erste Tour (Foxi heißt sie) vorsteigen - und er ist stolz auf sein Werk, keine Frage.

Am Fluss Brokke gibt es übrigens eine herrlich ausgewaschene Granitlandschaft, die zum Pausieren und erkunden einlädt - großer Schotterparkplatz an der Straße.

 

Um Halb Vier Mittags geht es dann verspätet weiter über die Fjellstraße Richtung Lysefjord. Die Strecke zieht sich, überall gibt es kleine Seen, Wandermöglichkeiten. Die Straße durch das Fjell ist schon etwas einmaliges - sie durchschneidet ein unbewohntes sehr weiträumiges Naturgebiet. Um 17 Uhr sind wir endlich am Lysefjord, packen unsere Rucksäcke und legen los. Der Weg führt recht steil über nakte Granitplatten nach oben. Stahlseilgeländer machen die Anstiege auch für Halschuhwanderer möglich. Bei nassen steilen Stellen merken wir schnell, dass die Stahlseile bei einer Rückkehr im Regen durchaus mehr als hilfreich sein können - ohne sie gäbe es hier sicherlich viele Knöchelbrüche zu versorgen.

Mit den schweren Rucksäcken ist der Aufstieg richtig anstrengend. Und auf den ersten Hügel folgt ein Tal, nach dessen Durchquerung geht es wieder bergauf, dann folgt noch ein Quertal - wieder absteigen, wieder aufsteigen - das Ganze mit Rucksäcken ist wesentlich anstrengender, als ich mir das vorgestellt habe. Die letzten Rückkehrer machen uns darauf aufmerksam, das es doch noch ein gutes Stück bis zum Kjerag ist und wir schon ein bischen spät dran seien. Dafür haben wir ja die vollen Rücksäcke. Der Schlussspurt zieht sich über einen flachen breiten Granitgrat - nichts als Granitplatten und die untergehende Sonne, das hat schon was. 

 


Allerdings finden wir dann erst mal keinen Zeltplatz, ein kleines Bächlein fürs Trinkwasser sollte auch noch vorhanden sind. Schon kommt ein wenig Verzweiflung auf, als Susanne endlich einen Platz in einer kleinen Felsschlucht findet: 


Platz für 2 Zelte, Wasser gibt es auch in der Nähe, endlich!! Das ist schon ein ganz eigentümlicher Zeltplatz, so zwischen Felsen eingezwängt. Der Nachthimmel ist unglaublich, selten habe ich so klar die Milchstraße gesehen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kjeragbolten

Am Morgen, die Familie döst noch, gehe ich runter zur Kante der Felswand und blicke in den Lysefjord 800m unter mir. Die steilen Wände des Kjerag sehen von der Seite aus gesehen wirklich grandios aus. Dort sollen die Basejumper recht oft mit ihrem Fallschirm in die Tiefe springen - würde ich gern mal sehen.

(Hier gibts ein sehr sehenswertes, Video dazu: 
I believe I can fly ...)

Nach dem Frühstück bei Sonne und leichtem Wind gehen wir dann endlich los, um den Kjeragbolten zu suchen. Der Anblick dieses in den Fels eingekeilten Steines ist dann wirklich atemberaubend, denn man spielt ja schon während des Aufstiegs vom Parkplatz ständig mit dem Gedanken, ob man es wohl wagt auf den Stein rauszugehen und ob das in Echt wohl so furchterregend ist, wie oft zu lesen. Nun die Wahrheit ist anders als ich mir das vorgestellt habe - es ist furchterregend. Da schießt das Adrenalin schon in die Blutbahn, wenn man sich nur vostellt da rauszusteigen. 

Kjerag Lysebotn Was für ein Warmduscher ich doch bin, zeigen mir die zwei ersten Besucher des Tages, die um diese Herrgottsfrühe bereits vom Parkplatz aus bis hierher gewandert sind. Die kommen einfach hier an, sehen sich nicht mal erst um oder überlegen, nein die gehen einfach zur Felskante und stellen sich sofort auf den Stein. Da bin ich baff. Ich sehe mir den Zugang auf den Stein dann auch mal aus der Nähe an. Susanne meint cool: "Auf, steh da drauf, dann mach ich ein Bild". Oh nein, das ist nichts für mich. Da geht es direkt unter den Füßen 800m absolut senkrecht runter. Schon um an den Übergang zum Stein zu kommen muss man eine schmale Felsleiste entlang gehen - ein Ausrutscher macht einen zum Basejumper ohne Fallschirm. Der Übergang zum Stein ist zudem alles andere als eben. Ein Schritt ist notwendig, der an Tiefblick nicht zu überbieten ist. Nein, nein, da geh ich lieber ganz normal klettern, mit Seil und allem drum und dran (Bild: Kjerag von oben).

 

Dann stehen die beiden Burschen auch noch zu zweit gemeinsam auf dem Stein und wedeln mit den Armen - das wird nicht mein ruhmreichster Tag, das seh ich schon. 

Der Rückweg zum Parkplatz zieht sich wieder, Unmengen von Wanderern kommen über den Grat - wir sind froh, dieser Massenveranstaltung per Zelt ausgewichen zu sein. Auch ohne Steinbesteigung war diese Tour etwas besonderes. Am 2. Zwischentälchen gibts dann eine Sonnenbadepause am Bach, Marvin rutscht auf einer algenbesetzten Granitplatte im Bach aus und bis die Kleider wieder trocknen haben wir nun reichlich Zeit zum relaxen.

 

 

Kjerag boltenDer Rest des Urlaubs geht mit den üblichen Aktivitäten und viel Gemühtlichkeit rum: Ausflug nach Kristiansand in den Botanischen Garten, nach Mandal und Kap Lindesnes ...

Am letzten Mittwoch des Urlaubs bummeln wir durch Evje und freuen wir uns noch auf einen ruhigen Packtag bevors zurück zur Fähre geht - doch beim Blick auf die Wetterkarte im Touristbüro bringt mich ins grübeln. Irgendwie kommt mir beim Anblick des morgigen Datums ein ungutes Gefühl auf. Am Abend zurück an der Hütte klärt sich das ungute Gefühl ... und macht der Hektik Platz. Nix Freitag, Donnerstag fährt die Fähre. Jetzt aber fix packen, nix Ruhetag, der Alltag hat uns wieder.

 

 

copyright: Dieter Ziegler 2005