Durchquerung des Sarek Nationalparks von Ritsem nach Aktse August 2001

 

 

 Fotogallerie Sarek 2001

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 Linkliste zum Thema Sarek

 

 

 

Allgemeine Info zum Sarek: Sarek - Mythos und Wirklichkeit, Text vom schwed. Amt für Umweltschutz

 

Sa. 18.8.2001: Nachts zuhause aufstehen, abends im Fjäll

Ein halbes Jahr Planung und Vorfreude auf unseren "Altherrenausflug" geht zu Ende. Nachts um 1.45 Uhr stehen Martin und Steff mit dem Mietwagen vor der Tür. Rucksack rein, noch Dietmar und Micha abholen und ab Richtung Frankfurt. 10Km Stau auf der Autobahn sagt der Verkehrsfunk (mitten in der Nacht) - also im Blindflug über unbekannte Landstraßen. Fängt ja gut an, aber um 5.00 sind wir am Flughafen und hieven unsere 26-28Kg schweren Rucksäcke zum Schalter. Riesenschlange beim Condor-Schalter (Mallorca oder so) - Richtung Stockholm steht kaum einer an. In Stockholm ist es warm und sonnig, der Anschlussflug nach Gällivare lässt sich Zeit - die Fokker 50 Propellermaschine steht zwar da, aber die Mannschaft fehlt. Für 1,5 Stunden Wartezeit lässt die Fluggesellschaft 50 Kronen springen - whow das reicht exakt für ein Flaschenbier.

Gällivare - sunshine aber kalter Wind. Der Flughafen ist richtig niedlich: kleiner asphaltierter Platz mit einem einzigen Flieger (unserem) aber TOP-Flughafengebäude, alles wirkt schon richtig erholsam. Aber wir stehen unter Zeitdruck, denn der Bus nach Ritsem geht laut Fahrplan "jetzt". Das Flughafenpersonal hat aber den Busfahrer telefonisch von der Verspätung verständigt, und ruft uns auch Taxis, die uns schnell in die Stadt bringen. das nächste Problem ist Spiritus für die Trangiakocher. Den wollten wir in Gällivare kaufen, aber dann verpassen wir den Bus. Die freundliche Flughafendame hat einen Liter für uns - wir brauchen aber 6 Liter (zu Fünft). Sie telefoniert mit der Fjällstation in Ritsem, die müssten welchen haben. Also Risiko... ab in die zwei Taxis und dann rein in den Bus und los geht’s. Nicht allzu weit allerdings, denn auf der Strecke liegt ein Auto mit Anhänger im Graben. Ein Motorboot, ein Außenbordmotor und Kleinteile sind auf der Straße verteilt. Im Auto sind noch zwei Männer und ein zitternder Hund. Die Männer sind geschockt und es dauert lange, bis wir die beiden raushaben. Irgendwann steigen alle wieder ein. In Saltoluokta am Bootsanleger regnet es. Einige Sarek/Kungsledenaspiranten steigen aus. Wir fahren weiter in den Regen hinein. In Ritsem ist es dann völlig ungemütlich. Micha und Steff rennen hoch zur Fjällstation zwecks Spiritus, wir anderen warten im Windschutz der Bushaltestelle und hoffen, dass das Boot über den Akkajaure nicht ohne uns losfährt. Ein einzelner Deutscher, der in Kiruna wohnt steht bei uns. Er hat ´nen Riesenrucksack mit Seil und Eispickel - er will auf die Akka und irgendeine Tour auf dem Gletscher machen. Viel Glück. Endlich kommen Micha und Steff zurück. 4 Liter Spiritus und - weil´s gerade da war - ein Karton voll Bierbüchsen. Das Boot fährt los (Änonjalme 145 sKr./Pers) und wir sind auch drauf - noch mal Dusel gehabt. Drüben gehen wir noch eine Viertelstunde, vorbei an einer Holzhütte mit morgendlichem Coffeeservice. Moosig bequemer Platz zwischen den Birken. Zelt raus, Essen kochen, 12°C, fast kein Regen mehr, Bier raus und diesen Tag begießen. Ist schon fantastisch: Nachts aufstehen und abends um 19 Uhr im Fjäll zelten. Martin testet noch unser "Notfallhandy" - hier funktioniert die Verbindung noch. Dietmar hat überraschenderweise auch ein Handy dabei - na ja mit seinem nagelneuen Gregory Palisade Rucksack trägt sich das wie von selbst - oder?

 

So. 19.8.2001: Groggy am ersten Tag

Um 7 Uhr aufstehen. Kein Regen, gut, nur tiefstehende Wolkendecke. Die Akka sehen wir nicht. Erstes Frühstück nach "Essensplan": 100g Müslimix mit Milchpulver, Brot, ca. 25g Wurst und 25g Käse, Kaffee - ist ok. In einigen Tagen werden wir wissen ob der Excel-Essensplan was taugt. Micha isst frei Schnauze, ohne Plan, denn seine Teilnahme stand bis 1 Woche vor Abflug berufsbedingt auf der Kippe. Seinen Nahrungsvorrat hat er auf die Schnelle im Supermarkt ausgetüftelt. Wir haben 9,7 Kg pro Mann für 13 Tage, er 8Kg - wird schon passen.

Die leeren Bierdosen geben wir noch beim "Coffesshop" ab, dann geht es zur nahen Fjällstation. Dort fragen wir nach dem fehlenden Liter Spiritus. Marianne heißt die gute Fee, die noch einen Liter zum Fensterputzen im Schrank hat. Die Hälfte will sie uns geben, aber da wir kein Gefäß zum Abfüllen haben, kriegen wir die ganze Flasche für 30.- skr. Bald sind wir an der Hängebrücke über den Vuojatätno. Die Sonne zaubert ab und zu einen Lichtschimmer in die ferne Landschaft. Gleich mal die erste Ration Schoki einnehmen und den Rucksack abnehmen. Weiterweg über Bohlen, nächste Pause an einem Bach mit Picknickarea und Mülleimerkarussel. Weg mit dem Rucksack - Füße ausstrecken. Dann Kindergeheul. Die rennen den Hang hinunter, im Gegensatz zu uns überhaupt nicht müde. Wie war das noch mit Sarek, harte Männer, Wildnis, überleben... Schon kommen die zwei Mütter mit Tragegestellrucksäcken - keine Männer dabei. Von Kindern und Müttern stand da doch nichts im Reiseführer für harte Adventureurlauber.

Das Wetter wird immer sonniger, erste Rentiere am Horizont, ein paar tote Lemminge direkt neben dem Weg. Steff äußert die Vermutung, das sei der Preis der vielen HiTec-Trekkingstöcke, die hier überall gedankenlos reingesteckt werden. Oder sind es die Schweden, die statt HiTec immer verdächtige Holzstöcke mit mysteriösen Kerben bei sich haben?

Kurz vor dem Kutjaure wieder Pause - mein Kreislauf spinnt irgendwie, das Ausdauersitzen im Bürostuhl ist doch nicht die optimale Vorbereitung für den Sarek. Endlich, am Zusammenfluss von Sjnuftjutisjakka und Spietjaujakka eine Super Campingstelle. Sonne scheint, Essen kochen (Maggi Linseneintopf nach Plan). Der Kaiserschmarren zum Nachtisch ist in der Trangiapfanne problematisch: Martin verliert bald die Lust und setzt lieber auf leicht angebrannt und teigig, Dietmar, von Haus aus mit Geduld gesegnet bringt die Sache richtig zu Ende und wird fortan Kaiserschmarrenbeauftragter. Den Humana Kindergriesbrei (laut Plan hätte der noch gestern abend dran glauben müssen) bleibt wieder liegen - keiner will mehr, nur der, der ihn im Rucksack hat (ich) drängt auf Einhaltung des Essensplanes. Micha hat keine Probleme mit Essen, das unbedingt weg muss. Tee mit Rum zum Abschluss, herrliche Sonnenuntergangsstimmung am Fluss, euphorisches Feeling bei allen, denn das ist das wahre Leben und morgen geht´s über die Grenze in den Sarek.

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copyright: Dieter Ziegler 2001