Schweden im Womo bis zum Sarek Nationalpark 2008

Mit dem Wohnmobil über die Vogelfluglinie - Stockholm - Lappland und zurück

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Ein Mal Nammatj bitte

Marvin feiert seinen 13. Geburtstag auf dem Gipfel des Nammatj mit "Sekt Halbtrocken"

 

Prolog

Mein Traum - seit Jahren - unerfüllt: einmal bei schönstem Wetter auf dem lappländischen Berg Skierfe stehen und die - für mich - schönste, atemberaubendste Landschaft Europas genießen. Trotz einiger Anläufe, gutem Willen und und und ... hat nie geklappt. Meist war das Wetter s....sehr lappländisch.

(Hier mal ein Link auf ein "panorama"-Bild, so wie ich mir das vorgestellt habe).

 

Diemal wollte Susanne nach Schottland, da kann man bed and breakfast und so... Na ja, was der Esel nicht kennt. Bed and breakfast, bei irgendwelchen Leuten wohnen, wo ist da mein Zelt, mein Heim? Also hatte ich die Idee mit dem Wohnmobil. Da die Fährüberfahrt dann doch recht teuer ist (vom Wohnmobil reden wir an dieser Stelle besser nicht), hatte ich eine glänzende Alternatividee.

Ich hatte meiner Familie ja schon oft vom Sarek Nationalpark im lappländischen Schweden vorgeschwärmt: "eine Sache für harte Männer, Regen, Kälte, Schneefall, Sumpf, nass bis auf die Haut, Hunger und obendrein noch Mücken ...". 

 

Dies galt es jetzt etwas zu relativieren: na die Mücken sind meist schon erfroren, vom gemütlich warmen Wohnmobil aus radeln wir ein bisschen auf einem Forstweg, lassen uns dann per Taxi(boot) bis ins Herz des grandiosen Rapadeltas schaukeln und wandern dann noch ein wenig den Berg hinauf, um die Füße auch mal leicht zu bewegen.

Ansonsten 3 Wochen Genussurlaub mit einem komfortablen Wohnmobil, Freiheit und so ...

 

Nun, man glaubt es kaum, aber der Vorschlag wurde mit Freude angenommen. Meine Familie und ich, wir waren begeistert.

 

Anfahrt

Gute 3 Wochen Zeit, da können wir es ruhig angehen. Im norddeutschen Städchen Hoya spielt die Dire Straits Coverband "DireStrats". Die ist wirklich spitzenmäßig und als alter DireStraits-Fan muss ich da hin - ein Zufall, das die Stadt auch noch einen extra Womo-Platz für freie Übernachtungen bietet. Der Urlaubsstart ist ja schon quasi Geburtstag und Weihnachten zusammen.

Möns Klint

Dann geht es über Fehmarn zur Halbinsel Mön. Am Fuß der Kreideklippen (Möns Klint) sammeln wir Feuersteinknollen und eine Menge Belemniten (Fossilien). Das es hier auch noch schöne versteinerte Seeigel zu finden gibt, erfahren wir erst beim anschließenden Besuch des Museums - sonst hätten wir wohl noch länger gesucht.

 

Stockholm

Bis Stockholm zieht sich die Strecke dann doch etwas länger als gedacht. Wir besichtigen das Vasa Museum und übernachten am Ende der Insel Djurgarden (da gibt es sogar Parkscheine für Womoübernachtungen).

Die Fahrt an der Ostseeküste entlang zieht sich ebenfalls länger als "gedacht". Unterwegs gehen wir Mineralien suchen (Dazu haben wir uns das Buch "Die Mineralien und Fundstellen von Schweden" von Hans-Jürgen Wilke zugelegt). Und so zieren jetzt einige Granate unsere Laiensteinsammlung. Nebenbei finden wir so auch einen schönen, absolut ruhigen Übernachtungsplatz an einem Funkmast-Berg.

 

Höga Kusten

Bei Örnsköldsvik besuchen wir das kleine Alpinzentrum am Skuleberget. Ich packe Fahrradhelm und Klettergurt und gehe den Granithügel über einen der 4 hier eingerichteten Klettersteige an, während Susanne mit Marvin die Stufen zum Aussichtspunkt hochwandert. Als Freizeitkletterer empfinde ich den Steig als herrlich einfach und es macht bei sonnigem Wetter auch richtig Spaß da hochzueilen - ganz nebenbei will ich natürlich schön gelangweilt oben sitzen, wenn meine Familie dann schnaufend oben anlangt. Blöd nur, das ich selbst ziemlich am schnaufen bin als mich meine Familie oben gelangweilt empfängt (das haben die extra gemacht, da bin ich mir sicher).

 

Der Gipfel: Viele Leute, dank Gipfelrestaurant, aber dennoch eine klasse Aussicht auf die Östseeküste mit ihren Buchten und im Übrigen bewegen wir uns hier auf erlauchtem Boden - die Höga Kusten ist Weltkulturerbe.

 

 

Am Ende des Klettersteigs auf den Skuleberget

 

 

Lappland

Ein Halt beim "größten" - in diesem Fall wasserreichsten- Wasserfall Schwedens, dem Storfossen. Der Piteaälven gleicht hier einer überdimensionierten Stromschnelle. Zahlreiche angelegte Holzstege, asphaltierter Besucherparkplatz - es war schon mal schöner hier, aber es ist wohl auch lange her, dass ich mal hier war. Das Gedächtnis scheint ja auch eine etwas verklärende Eigenschaft zu besitzen. Und schließlich sitze ich diesmal auch nicht in zerschlissenen Malerhosen mit Trangiakocher am Straßenrand, sondern bin mit einem schnöden Womo königlich angerollt. In manchen Situationen fragt man sich dann doch, ob es möglich ist, dass man ein kleines bischen älter geworden ist als man denkt. Wobei ich gleich beim Thema bin: ich dachte auch, dass der Weg nach Lappland doch nicht ganz sooooo lang und langwierig ist. Die größzügigen 3 Wochen sind quasi zur Hälfte um. Wir sind kaum da und müssen fast schon wieder nach Hause rollen.

 

Lappland: Kurz vor Gällivare

 

Gällivare

Dank unseres Mineralienführers finden wir einen schönen Aussichtsberg knapp südlich von Gällivare. Auch diesmal mit einem Funkmast und Parkgelegenheit. Wir klopfen fleißig auf in einem kleinen Steinbruch, finden allerdings nichts besonderes. Dafür können wir die Aussicht auf die Sarekberge und einen superdupper Sonnenuntergang genießen. Wobei jetzt zum ersten Mal auf dieser Fahrt eine größere Armada an Mücken mit uns genießt. Die Mücken gewinnen schließlich den Genußwettkampf - wir ziehen uns ins Womo zurück.

 

Sarek Bergkette am Horizont

 

Sarek

Das Samenmuseum in Gällivare ist absolut schön und interessant, nebenbei gibt es dort für schedische Verhältnisse ein günstiges und gutes Mittagessen. Wir rumpeln bei schönstem Wetter Richtung Kvikkjokk. Vor uns ein langsamer Sattelschlepper, hinter uns ein schneller, nervöser Sattelschlepper. Einen Überholversuch gebe ich schnell wieder auf. Ganz schön breit, so ein Womo. Den Truckfahrer hinter uns plagen keinerlei derartiger Bedenken. Er zieht raus und überholt uns und den Kollegen vorne, die linken Räder kommen dabei natürlich weit über den unbefestigten Straßenrand. Das sieht aus unserer Sicht nicht sehr stabil aus, wie das ganze Fahrzeug wackelt und schlingert, aber es geht immerhin gut. Schönes Erlebnis, schade nur, das der langsame Truck nach einem Kilometer links abbiegt. Da hat der nervöse Kollege doch wirklich ganz umsonst überholt.

 

Wir biegen irgendwann Richtung Seitevare Staudamm ab. Dann geht es noch einige Kilometerchen auf Dirt-Road dahin und wir kommen endlich im Paradies für Angler und Weekendurlauber an.

Wir packen die Rucksäcke, mit Marvin Teste ich mit den Fahrrädern die ersten paar Meter der "Forstwegstrecke". 10 km sind das bis zu Bootslände von Lennart Lanthä, das wird schon gehen, auch mit den doch recht schweren Rücksäcken. 

Ein Gruppe Sarekwanderer kommt von einer 1-wöchigen Tour zurück. Die Jungs aus Deutschland sehen etwas geschafft, aber begeistert aus. Da radle ich nach unserem Womoabendessen schnell vorbei und bringe einen halben Topf Spaghetti mit Shrimps und Schinken und dazu noch ein paar Dosenbier. Das weiß ich schließlich aus eigener Erfahrung: Ein Bier und was zu essen, das ist das krönende Highlight einer Sarektour - viel glücklicher kannst du nicht werden. Die Jungs hatten schönes sonniges Wetter. Unsere Wettervorhersage sieht nicht mehr so rosig aus: 12 °C und Regen.

 

Radeln in den Sarek

Am nächsten Morgen geht es los. Radeln mit Rucksack ist gewöhnungsbedürftig. Der Fahrradhelm wird vom Rucksack nach vorne gedrückt, so kann ich nicht fahren, also zurück und ohne wieder los. Erst läuft es ganz gut, dann kommt Susanne in den Schlamm am Rand der größten Pfütze auf dem Weg. Da ist nichts mehr zu retten. Der schwere Rucksack zieht sie voll in die Pfütze. Abgesehen davon, dass sie jetzt zur Hälfte der Länge nach nass und schlammig aussieht hat sie sich - wie sich später herausstellt - auch noch einen Kapselriss am Finger eingefangen. Kein vielversprechender Anfang. Just als sie die einzigen Ersatzkleider anzieht, kommt ein Same auf seinem Quad mit Anhänger dahergetuckert.

Er wirkt ein wenig verwundert unter seinem MickyMausLärmschutzKopfhörer. Wir plauschen ein bisschen, während Susanne sich für den zweiten Teil der Radreise zurecht macht. Der Same kommt vom Sitojaure, wo er und sein Bruder den Fährdienst über den See unterhalten. Jetzt will er zum Einkaufen nach Gällivare - so ein kleiner Einkaufsbummel dauert hier locker 2 Tage.

 

Radfahren mit Rucksack kann schnell zu einem Bad in der Pfütze und zusätzlichem Kapselriss führen ... laufen wäre vielleicht doch besser gewesen.

 

Am Abend trudeln wir dann endlich doch recht müde vom auf und ab auf dem rauhen Fostweg am Fähranleger ein. Marvin hat jetzt genug vom Radeln. Und morgen hat er zudem noch Geburtstag.

Wir bauen das 2-Mann Zelt auf, doch kaum köchelt der Trangia kommt Lennart von einem "Einkaufsbummel" in Gällivare zurück und parkt erbost seinen alten Volvo mit der Stoßstange an unserem Zelt. Aha, er will uns wohl sagen, das sei kein Zeltplatz, das ist sein Wendeplatz und den braucht er mit seinem Anhänger in voller zur Verfügung stehender Breite - das Zelt muss weg. Da wir morgen ganz gerne mit seinem Wassertaxi mitfahren wollen, ziehen wir in erstaunlich schneller Zeit auf einen buschigen Uferplatz am See um. Der Zweite brauchbare Zeltplatz ist schon belegt mit schwedischen Wandersleuten, die morgen auch ins Rapadelta mitfahren wollen. Die beiden plannen eine Durchquerung des Nationalparks. Die Mücken beschließen den Abend recht schnell und aus dem blauen Himmel ist ein grauer geworden.

Die Nacht darf ich in der geräumigen Apsis unseres 2-Man-Zeltes schlafen. Das macht die Mücken ganz narrisch. Ich ziehe mir ein Mückennetz über den Kopf. Da drunter ist es wirklich stickig und das Netz legt sich immer wieder direkt auf die Haut, so dass sich die Mücken reelle Erfolgsaussichten errechnen. Da holen Sie zur Unterstützung gleich noch ein paar erfahrene Kollegen - nein diese Nacht habe ich wirklich kaum geschlafen. Ein kurzzeitiger Umzug mit Liegematte und Schlafsack auf Lennarts Parkplatz bringt eine mückentechnische Verbesserung, aber es stinkt gewaltig nach Benzin neben seinem Vorratstank.

Der Morgen bringt feuchtkalten Wind, tief hängende schwarze Wolken und natürlich Regen. Ich bin enttäuscht und rede von zurückfahren, aber da habe ich nicht mit Marvin gerechnet. Er hat heut Geburtstag und will den auch wie versprochen auf dem Berg im Sarek feiern. Ein Pole mit kleinem Töchterchen samt Großvater wandern schwer bepackt daher. Die gehen auch und zwar auf den Nammatj mitten im Rapadelta, also sind wir auch mit dabei. Den Skierfe selbst, mein Traumziel, muss ich wieder mal auf später vertagen, denn der hängt vollständig im Nebel.

 

Lennart kommt pünktlich mit seinem Boot. Dann gehts in einem atemberaubenden Tempo über den See nach Aktse. Hier müssen wir umsteigen, da er nur mit dem kleineren Boot ins Rapadelta fahren kann. In Aktse warte weitere Leute und alle passen leider nicht rein, so dass wir erst mit der nächsten Fuhre mitkönnen. Aktse selbst, 1km zu Fuß über Holzbohlen erreichbar, besteht nur aus Lennarts Bauernhof und zwei Wanderhütten. Wir warten. Dann gehts weiter.

Die rasante Fahrt durch den größten Flussarm des Rapaälven ist schon ein Erlebnis. Lennart rundet das Ganze auf, indem er an einer Stelle, an der einige große Steine aus dem Fluß ragen, full speed schräg auf das Ufer zufährt. Da bekommen wir alle doch recht große Augen. Kurz vor dem vermeintlichen Aufprall zieht er das Boot in ungemütlicher Schräglage scharf nach links - den Gasgriff hat er immer fest im Griff.

 

Lennart in seinem Element

 

Endlich angekommen wandern wir entspannt auf einem winzigen Pfad zum Gipfel des Nammatj. Dieser Felsklapfen ist so etwas wie ein heiliger Berg der Samen. Alein schon seine exponierte Lage mitten in diesem großartigen Delta macht ihn zu etwas ganz besonderem - im übrigen hat sogar der schwedische Zelthersteller Hilleberg, bekannt für seine sehr guten und teuren Trekkingzelte, eines seiner Zeltprodukte nach diesem Berg benannt.

 

Die Wanderung zum Gipfel ist einfach, vorausgesetzt man verliert den Pfad nicht. Das bleibt uns erspart und so sind wir zur Mittagszeit oben. Herrlich, trotz dunkler Wolken, ein Wahninnsausblick. Das ist schon ein guter Ersatz für den Skierfegipfel, der schräg gegenüber auch immer mehr aus den Wolken auftaucht. Die Wolkendecke hebt sich deutlich und ab und an fällt sogar ein kleiner Sonnenstrahl auf die Wildnis.

Jetzt hole ich die mitgebrachte kleine Sektflasche aus meinem Tagesrucksack und wir feiern Marvins Geburtstag - an den wird er sich wohl Zeit Lebens erinnern.

 

So ein schöner Geburtstag ...

 

Rapadelta - einfach genial gut

 

Bis Lennart und wieder abholt streunen wir auf der Gipfelhochfläche umher, schauen über den Rand der Steilwand auf unzählige türkis schimmernde Flussarme, Teiche, Sumpfflächen, folgen dem Lauf des Rapaälven mit dem Auge. Es ist schön wieder hier zu sein, wenn auch nur kurz und als "Tourist". Das richtige Sarekwandern ist anders, aber für einen "Familienausflug" ist diese Möglichkeit einen Randbereich dieser herrlichen Wildniss zu erleben einfach ideal.

 

Auf der Rückfahrt passieren wir wieder an Lennarts Ralley-Stelle. Diesmal drehe mich mich zu ihm um und erblicke ein spitzbübisches Grinsen - der macht das wirklich gerne.

 

Die Rückfahrt per Rad strengt uns am Ende wieder gut an und jeder hat genug von dieser Art Fahrrad fahren.

Jetzt geht es stracks Richtung Süden, die Zeit wird knapp.

 

Östersund

Regen, regen ...

Östersund ist die erste größere Stadt auf unserem Heimweg. Hier bummeln wir und shoppen etwas.

Auf einer Elchfarm können wir endlich die Tiere sehen, für die der Norden so berühmt ist - und die man meist nur selten sieht. Hier kann man die Tiere sogar anfassen - mit Vorsicht. Die Herren des Nordens sind richtige Kartoffelbagger - mehrere Tonnen der Erdäüfel muss der Halter der Elchfarm jährlich ankarren, um die Tiere gutmütig zu stimmen. Dafür bezahlen wir gern den kleinen Obulus.

 

... lässt sich sogar streicheln - sollte man in der Wildnis nicht versuchen

 

Falun

In Falun besichtigen wir noch das Kupferbergwerk >> Falun

Dann gehts geradewegs nach Haus.

Falun Grube - hier wird das typische Falun-Rot für die schwedischen Holzhäuser gewonnen.

 

 

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Weitere Info

Für angehende Nordlandfahrer: 3 Wochen sind fast zu kurz, um mit dem Womo bis Lappland zu fahren. Wers dennoch plant: das wird quasi ein reiner Fahrurlaub. Da bleibt nicht viel Zeit um mal an schönen Stellen eine Tag länger zu bleiben.

Der Bootservice von Lennart Lanthä kostet natürlich einiges, denn Lennarts Saison ist kurz:

Wir haben zu dritt 1800 skr Hin und zurück bezahlt

 

copyright: Dieter Ziegler 2009