Südtirol - Dolomiten

Bei einer Fahrt auf der Großen Dolomitenstraße von Toblach nach Bozen stehen weniger die kulturellen Aspekte im Vordergund, als vielmehr die Kombination aus guter Infrastruktur und einzigartiger Berglandschaft.  

 

 

 

Seceda Paternkofel, Gipfel (Zinnengruppe) Langkofel, Sella, vom Pordoi gesehen Drei Zinnen

Seceda & Geislerspitzen

Paternkofel 

Sellapass, Langkofel

3-Zinnen

Paternkofel und 3-Zinnen 

 

 

Abendstimmung an den 3 Zinnen

Acht Uhr abends, und kein Mensch scheint mehr unterwegs zu sein - außer mir. Von der Hitze während der Anfahrt über Brenner, Pustertal und Toblach in die Dolomiten etwas groggy, genieße ich den herbstlich kühlen Wind der Abendstunden auf 2300 Metern Meereshöhe und wandere um den imposanten Bergstock der Drei Zinnen (Tre Cime de Lavaredo). Der Anblick der senkrechten Felsfluchten und der zahlreichen schroffen Berggipfel, die wie ein überdimensionaler Scherenschnitt den Zinnenstock umgeben, hat mich richtiggehend aufgekratzt. Ich kann gar nicht schnell genug auf die berühmte Nordseite gelangen und falle ab und an in einen joggingmäßigen Bergwandertrab. Mich treibt die Hoffnung auf ein alpines Lichtphänomen: das Alpenglühen. Es entsteht erst nach Sonnenuntergang durch den Widerschein der von der Atmosphäre reflektierten rötlichen Strahlen einer bereits unter dem Horizont stehenden Sonne. Abhängig vom Bewölkungsgrad des Himmels und dem Luftfeuchtigkeitsgehalt, tritt diese intensive Purpurfärbung auf den nach Nordwest und West gerichteten Felsflanken auf und macht besonders in den kalkweißen, stark reflektierenden Dolomitenwänden ihrem Namen alle Ehre.

Die Drei Zinnen in den DolomitenEndlich sind die Nordwände einsehbar, gerade als die Sonne hinter einer Bergkette im Westen versinkt. Nach einer weiteren Viertelstunde färben sich schließlich die wenigen Wolken, aber um die Nordwände zum Glühen zu bringen, reichen die atmosphärischen Bedingungen wohl nicht ganz aus.

Dennoch bin ich rundum zufrieden. Die Stille ringsum, die Spiegelungen in den kleinen Zinnenseen auf dem Plateau der Langen Alpe, dann das polternde Geräusch fallender Steinbrocken und wieder absolute Ruhe - irgendwie hat diese Atmosphäre eine außerordentlich meditative Wirkung. Das Aufgekratzte in meiner Stimmung ist verflogen, trotz einbrechender Dunkelheit bleibe ich noch eine Weile sitzen und schaue nur diese Nordwände an. Doch der Weg zurück ist recht holperig und als ich endlich bei sternenbesetztem Firmament das Wohnmobil erreiche, bin ich doch froh, wieder etwas Technik um mich zu haben.

 

Der erste Morgen beginnt wie es sein soll: blauer Himmel verdrängt das stählerne Schwarz der Nacht, die gegenüberliegenden Berge des Monte Cristallo und der Cadinispitzen leuchten im warmen Morgenlicht, die Luft ist, wie es sich für diese Meereshöhe gehört, knackig frisch. 
Hier auf dem Parkplatz direkt unter den Drei Zinnen ist die Aussicht, die man beim Morgenkaffee vom beheizten Reisemobil aus genießt, traumhaft schön. 
Die Übernachtungspauschale für diesen Platz ist mit der Maut von ca. 30.- DM bereits abgegolten. Ob man nun mehrere Nächte bleibt oder ohne Übernachtung wieder ins Tal fährt, spielt hierbei keine Rolle.

 

Paternkofel Klettersteig

Ich packe meinen Rucksack und wandere an der Auronzohütte vorbei auf breitem Weg um die Südseite der Zinnen herum. Nach einer halben Stunde passiere ich bereits die kleinere Lavaredohütte und stehe alsbald am bekanntesten Aussichtspunkt der Dolomiten, dem Paternsattel. Wie ein Schiffsbug schwingt sich die Kante der kleinen Zinne in die Höhe, der Postkartenblick auf die Nordwände erzwingt eine Pause, doch dann stehe ich schon am Beginn des einfachen Klettersteiges auf den benachbarten Paternkofel, einem ausgebauten ehemaligen Frontweg aus dem Ersten Weltkrieg. 

 

Ein enger Stollen im Fels, teils mit Eiszapfen bestückt, führt in die Dunkelheit des Berginneren. Einem schwachen Lichtschein folgend, gelange ich zu einem scharfen Knick nach links - der Weg führt ins freie auf ein Felsband, das an der Westseite der Bergflanke durch die ansonsten steile Felswand führt. Für trittsichere Wanderer ist dieser Steig gut zu bewältigen, denn der Steig ist nicht schwierig und gut mit Drahtseilen versichert, in die man sich bei Bedarf oder Gegenverkehr mit dem Klettersteiggurt einklinken kann. Einige Stollenlöcher bieten Gelegenheit, die Zinnen in einem fotogenen Lochrahmen abzulichten. 

Drei Zinnen aus einem Stollenloch des Klettersteigs gesehenDer Steig führt bald über die Paßportenscharte auf die Südseite des Bergstocks und mit der direkten Sonneneinstrahlung beginnt auch der Schweiß zu fließen. Die Steigung zum Gamsjoch hat es in sich, und als ich endlich in der Scharte ankomme bin ich ausgedorrt wie eine trockene Pflaume. Eine kurze Klettereinlage am Drahtseil bringt mich schließlich aufs Gipfelplateau des 2746 Meter hohen Paternkofels und ich kann endlich den Rucksack abnehmen, um an die eingepackten Leckereien und Getränke zu kommen. Der Blick auf die Zinnen und die Drei-Zinnen-Hütte ist fantastisch.

 

 

 

 

 

Dreizinnen-HütteEin Ausblick, den die italienischen Gebirgsjäger (Alpini) im Verlauf des ersten Weltkriegs täglich hatten, allerdings wohl ohne die Begeisterung, die mir heute ins Gesicht geschrieben steht. Die Dolomitenfront war damals eine heiße Angelegenheit. Vom Gamsjoch aus schossen die Italiener die Drei-Zinnen-Hütte in Klump und Asche. Eine "fliegende Patrouille" unter der Führung des zum Mythos gewordenen Bergführers Sepp Innerkofler hatte schließlich den Auftrag, diesen strategischen Punkt einzunehmen. Bei Nacht und Nebel kletterten die österreichischen Soldaten den NW-Grat des Paternkofels hinauf. Am Gipfel kam es zum Gefecht, wobei Innerkofler den Tod fand - die Aktion blieb erfolglos und die Österreicher mußten sich weiterhin dem feindlichen Beschuß aussetzen. Die Inschrift auf dem Gipfelkreuz "Hier fiel für seine Heimat Sepp Innerkofler am 4.7.15" erinnert an diesen Vorfall.

Von oben ist der Rundweg um die Zinnen deutlich erkennbar. Wer sich mit Klettersteigen nicht so recht anfreunden kann oder zum ersten Mal hier ist, sollte diesen Weg unbedingt unter die Fußsohlen nehmen: es lohnt sich!

Der Nachmittag sieht mich auf der Terasse der Lavaredo-Hütte, die Schuhe abgestreift, die Füße ausgestreckt, den Blick auf die gelbe Kante der Kleinen Zinne gerichtet, in der Sportkletterer zu sehen sind. Es kann einen schon recht zufrieden stimmen, wenn man, selbst ausgelaugt und müde, andere beim Leistungssport beobachtet. Adrenalin-, Fluch- und Schweißausbrüchen sind nahezu greifbar. Im Gegensatz zu diesen Sportlern sind meine Probleme recht einfacher Natur: wie sorge ich dafür, daß mein kühles Bier nicht warm wird.

Am Parkplatz sind bei meiner Rückkehr doch eine stattliche Anzahl Autos abgestellt, aber gegen Abend lichtet sich das Feld wieder und übrig bleiben gerade mal fünf Reisemobile, verteilt auf drei Parkebenen - der Herbst ist schon eine herrliche Jahreszeit für eine Dolomitenreise.

 

 

 

Cortina & Cinque Torri 

Morgens in aller Frühe genieße ich die Fahrt hinunter ins Tal. Der malerische Misurinasee liegt noch im Schatten, während die Gipfel des Sorapismassivs bereits vom Sonnenlicht gestreift werden. Cortina d´Ampezzo ist mein Ziel und der Weg dorthin führt auf der Großen Dolomitenstraße durch eine grandiose Landschaft, bei der man gut beraten wäre, auf dem Beifahrersitz vorlieb zu nehmen. Ich habe diese Möglichkeit leider nicht: da keine Ferien sind, ist die Familie zwangsläufig zum Hüten von Heim und Herd verdonnert. Also halte ich des öfteren an, koche mir einen zweiten Morgenkaffee, schwelge in der Landschaft und denke auch mal pflichtbewußt an die Daheimgebliebenen. Etwas Mitleid will sich ja schon in mir rühren, aber der blaue Himmel dämpft allzu ausschweifende Gefühle, und überhaupt, "man gönnt sich ja sonst nichts"!

In Cortina d´Ampezzo ist Markt. Nicht groß und nicht sonderlich eindrucksvoll, aber eine gute Gelegenheit die selbst zusammengestellte Esskiste (mit allerlei Dosenfutter) durch etwas Frischobst und Gemüse aufzuwerten (ja, ja, selbst ist der Mann). Die von grüner Patina überzogenen Dächer des Eisstadions und anderer Gebäude aus der Zeit der Olympischen Winterspiele 1956 geben Cortina einen ganz eigenen Charme. Am Eisstadion befindet sich übrigens auch ein Denkmal zu Ehren des französichen Geologen Deodat de Dolomieu (1750 - 1801), von dessen Name sich die Bezeichnung "Dolomit" ableitet. 1789 untersuchte er die Beschaffenheit des gelblichen Gesteins, das aus einer Kalk-Magnesiumverbindung besteht, deren Zustandekommen auch heute noch nicht vollständig geklärt ist. Ein Tipp für Durchreisende: die Fahrt mit der Seilbahn auf die Tofana di Mezzo sollte eine Überlegung wert sein.

Cinque Torre und TofanaWeiter geht es, Richtung Falzarego Pass. Das kollosale steinerne Amphitheater der Tofana di Rozes kommt über dem rechten Windschutzscheibenabschnitt ins Bild. Zeit für einen weiteren Abstecher zu einer kleinen Dolomitenoase: die Cinque Torri, eine fünfteilige Felsformation direkt über dem Rifugio Cinque Torri. Die Hütte ist ein idealer Ausgangspunkt, um ein bisschen zu Wandern und sich im Gras der Hochebene auszuruhen.

Das enge Sträßchen hinauf ist üblicherweise mit einem Wohmobilbalken abgesperrt und für unsere Zunft tabu, aber heute ist der Balken hochgeklappt und ich nehme die Einladung dankend an. Der Zugang zu den Cinque Torri bedarf jedoch auch sonst keiner körperlichen Mühsal, da eine Seilbahn am Beginn der Falzarego-Passstraße den Zugang ermöglicht. Beim Rundgang zwischen den bis zu hundert Meter hohen Felsblöcken fliegt mir ein Pärchen der seltenen Mauersegler um die Ohren, auf der anderen Talseite kleidet sich die Tofana langsam mit weißen Wolkenbüscheln ein und beim Anblick eines moosgrünen Picknickhügels wird mir sofort klar, was ich den Rest des Tages noch tun werde - nichts.

 

Zum Grödnertal

Über den Falzarego-Pass, der den Gipfel des Kleinen Lagazuoi mit einer großen Seilbahn erschließt, erreiche ich den Pordoi-Pass. Die Fahrt mit der Pordoiseilbahn gehört mit zu den schöneren Dingen, die man sich als Tourist in den Dolomiten ohne Muskeleinsatz erschließen kann. Von oben blickt man auf die gletscherbedeckte Flanke der Marmolada, auf den massiven Bergklotz des Langkofel und seiner Trabanten, der Piz Boe ist in Fußreichweite und ein bisschen Gänsehaut kann sich jederman am senkrechten Abbruch der Pordoi- Südwestwand holen. Genau an dieser Kante endete Ende der 80er Jahre eine spektakuläre Publicity-Show, die Thomas Bubendorfer, seines Zeichens Profibergsteiger mit ausgeprägtem Hang zu öffentlichkeitswirksamen Aktionen, mit seiner Person als Hauptdarsteller inszenierte. Bild-Zeitung und eine ganze Schar von Sensationsreportern berichteten über das Ereignis. Bubendorfer kletterte an einem Tag ohne Seil und doppelten Boden durch die Nordwände der Drei Zinnen, die Marmolada Südwand und zum Schluß durch die Pordoi Norwestwand. Hier kam er schließlich in die Nacht und da er die Route nicht kannte waren alle Chancen gegeben, daß die Aktion mit einem für die Sensationspresse optimalen Ergebnis - sprich Absturz - enden würde. Nun, es ging letztendlich für Bubendorfer gut aus. Heute vermarktet er seine Philosophie in Managerseminaren und lehrt die Geschäftsprofis, was es heißt, mit ganzem Einsatz zu spielen. Die Bergsteigerzunft ist darüber nicht unglücklich, denn weitaus anspruchsvollere Leistungen blieben, ohne Unterstützung durch diese Art von Medienereignis, unbemerkt, und das Bild des extremen Bergsteigens wurde in der Öffentlichkeit doch stark verzerrt.

 

Im Grödner Tal, dort wo die Straße zum Grödner Joch beginnt, können Reisemobilisten auf dem Parkplatz der Seilbahn Plan del Gralba offiziell übernachten (Hinweisschild). Von hier aus lassen sich die Ziele um den Langkofel erkunden.

In einer Welt, in der die Rundumsicht quasi immer von steilen Kalkriffen eingerahmt wird, registriert man nur mit Erstaunen die Tatsache, dass fast die Hälfte Südtirols von Almen bedeckt ist. Durch extensive Bewirtschaftung der Bergwiesen sind die im Sommer blumenübersäten Hochplateaus wie die Seiser Alm oder die Wiesen am Sellajoch entstanden. Die Seiser Alm ist nicht nur die größte Alm Europas, sie gilt auch als Inbegriff der Alm schlechthin und empfängt Erholungssuchende an schönen Sommertagen nicht unbedingt mit Einsamkeit und Ruhe. Als Alternative und sowohl botanisch wie geologisch recht interessant ist eine Seilbahnfahrt von St. Ulrich auf die Seceda, mit herrlichem Blick auf die Geislerspitzen. Am Seceda-Felsabbruch verwandelte die Errosion die vulkanischen- und Kalkschichten in ein anschauliches geologisches Lehrbuch, in dem die Entstehung der Dolomiten abzulesen ist.

Zwar blühen Ende September noch immer einige Blumen, wer sich jedoch speziell für die Dolomitenflora interessiert, sollte die Reisezeit auf den Frühsommer legen. Neben der botanischen Rarität Edelweis sind es vor allem die Fülle der Blumen und die leichte Zugänglichkeit, die ihren großen Bekanntheitsgrad ausmachen. Eisenhut, verschiedene Enzianarten, Glockenblumen oder Silberdisteln findet ein jeder auch ohne Gebietskenntnis.

Mein Lieblingsgebiet sind die Wiesen am Sellapass. Hier befindet sich auch die "Steinerne Stadt", ein Labyrinth von kleinen bis haushohen Felsblöcken, keine fünf Gehminuten vom Parkplatz unterhalb des Sellajochs entfernt. Besonders für Familien mit Kindern ist dieses Gebiet ein ideales Spiel- und Spaßgelände. Auch fotografisch kann man sich hier richtig austoben: ob Weitwinkel, Makro oder Tele, für jedes Objektiv gibt es hier das passende Motiv (sonst ist es in der Regel andersherum).

 

Klettersteig im Rosengarten

Rosengarten, AlpenglühenIm Fassatal richte ich mich auf dem Campingplatz bei Rualp ein. Während in den Sommerferien hier jeder Quadratmeter belegt ist und der Platz einem Ameisenhaufen gleicht, herrscht jetzt angenehme Ruhe. Gegenüber dem Eingang befindet sich die Bushaltestelle für die Fahrt in den Rosengarten. Diese Berglandschaft gehört mit zum schönsten, was die Dolomiten zu bieten haben, und so wundert es nicht, dass die steile, enge Bergstraße für den öffentlichen Verkehr gesperrt wurde. Von der Endhaltestelle an der Gardeccia-Hütte steige ich in einer dreiviertel Stunde zur Vajolet-Hütte auf (Nachtrag 2004: der Bus fährt jetzt bis direkt an die Gardecciahütte), von der aus weitere Wege zu den berühmten Vajolettürmen oder zum Kesselkogel führen. Wer den Tag gemütlich verbringen will, beendet hier den sportlichen Teil des Tages und widmet sich den Annehmlichkeiten auf der bewirtschafteten Hüttenterasse. Die nächste, kürzeste und interessanteste Alternative ist der felsige Weg ins sogenannte Gartl, direkt an den Fuß der Vajolettürme. Hier ist gutes Schuhwerk gefragt. In den Sommermonaten sorgen lautstarke Gruppen aus dem italienischen Flachland mit Halb- oder gar Leinenschuhen für ein abwechlungsreiches Beobachtungsvergnügen auf der Hüttenterrasse. Aus Gründen des Eigennutzens sollte man im steinigen Gelände, in dem auch mal der Einsatz der Hände zur Gleichgewichtsstabilisierung gefragt ist, grundsätzlich auf Vibramsohlen und stabiles Leder an den Fußknöcheln setzen.

 

Mein Ziel ist der Kesselkogel. Über einen unschwierigen Klettersteig, der durchaus auch geübten Bergwanderern zu empfehlen ist, gelange ich auf seinen Gipfel und überschreite damit die magische 3000er Marke um immerhin 2 Meter. Geologisch gesehen, steht man dort oben auf einem urzeitlichen Riff. Langkofel, Rosengarten und Schlern bildeten ehemals die Riffböschung eines tropischen Meeresbeckens. Ich stelle mir die Gipfel der Langkofelgruppe, die bereits vom ersten Schnee überzuckert weiß glänzen, als farn- und palmenbedecktes Atoll inmitten aufgewühlter Brandungswogen vor und kann mich dabei eines Gefühls der Ehrfurcht kaum erwehren. Ehrfurcht vor den gewaltigen, erdgeschichtlich relativ kurzen Ereignissen und dem vagen Gefühl der eigenen Winzigkeit. Mir tut es jetzt ganz gut, dass ich die Einsamkeit der Berge hier oben mit einer Handvoll Gleichgesinnter teilen kann. Auf einem Gipfel kommt man eigentlich immer ins Gespräch, während unten im Tal oftmals eine gewisse Reserviertheit zu spüren ist.

16 Uhr 30 auf der Terasse der Vajolet-Hütte: es reicht gerade noch ein Radler, ehe der letzte Bus Richtung Campingplatz abfährt, und den sollte man unter keinen Umständen verpassen.

 

Tags darauf parke ich auf dem Karerpass inmitten von Touristenbussen. Die Menschen strömen zum leuchtenden Juwel des Rosengartengebietes, dem smaragdgrünen Karersee, der, eingebettet im Rund der Latemargipfel, das Klischee einer heilen Bergwelt bedient - Ganghofer läßt grüßen. Dennoch, selbst kritische Stimmen geben zu, dass dieser Ort etwas einmaliges an sich hat und bei gutem Wetter auf jeden Fall zum Reiseprogramm dazugehört. Heute ist es ziemlich düster und ich begutachte lieber die Auslage in den zahlreichen Verkaufsständen am Parkplatz. Socken, Hüte, Postkarten, Faserpelzkleidung - Faserpelz ist gut, damit kann ich zu Hause Punkte sammeln. Jacken wie Hosen wandern in meine Tasche, denn die Preise hier sind weitaus günstiger als in Deutschland - übrigens sind im Fassatal die Preise für Bergsportartikel auch günstiger als im angrenzenden Grödner Tal. Den Rest des Tages verbringe ich guten Gewissens mit einem Krimi in der Hand bei Cappuccino und Gebäck im Fassatal.

 

Abschluss: Erdpyramiden und Brixen


Über Bozen, die Hauptstadt Südtirols, geht es Richtung Brixen, allerdings nicht schnurstraks am Talgrund entlang, sondern über den Ritten, den Bozener Hausberg. Hier befinden sich die eigenartigen Erdpyramiden - Pfeiler und Türme aus eiszeitlichem Moränenschutt, die durch einen Deckelstein vor Regen und damit Erosion geschützt sind. Auch in Frankreich habe ich derartige Formationen schon gesehen. Dort heißen sie liebevoll "Damen mit Hut".

Brixen (Bressanone) empfielt sich für einen letzten Einkaufsbummel. Mit dem Dom und seinem eindrucksvollen Domkreuzgang mit gotischen Fresken aus dem 13. bis 15. JH. bietet Brixen auch ein erstklassiges kulturelles Highlight.

 

   Brixen, Dom

 

Die Fußgängerzone mit Läden, Gasthöfen, Weinstuben, großen und kleinen Lauben ist wie zum Flanieren geschaffen, und überhaupt sollte man sich vor der Rückfahrt über den Brenner noch einmal mit den landestypischen kulinarischen Spezialitäten wie Krapfen, Speck und Wurst aufpeppeln. Wohl bekomms!

 

© Dieter Ziegler